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Rolf Gutsche Poesie

Rolf Gutsche wurde im Juni 1963 in Zittau geboren.
Körper- und stark sprachbehindert. Schulbildung in Wernsdorf und der Erweiterten Oberschule für Körperbehinderte in Birkenwerder. Auf Grund seiner starken behinderung konnte er keinen Beruf erlernen.Er arbeitete in einer geschützten Werkstatt in Zittau. In der Langzeiteinrichtung für Körperbehinderte im Oberlinhaus Potsdam-Babelsberg wohnte er 15 Jahre. Seit April 1999 hat er eine eigene Wohnung. Arbeit in der Diakonie-Werkstatt für Menschen mit Behinderung im Bereich der Aktenvernichtung. Dort sitzt er im Büro und schreibt Zertifikate an Kunden. Mitglied des Literaturklubs sowie der Theatergruppe im Haus der Begegnung. Im Februar 2007 erschien im Engelsdorfer Verlag sein eigener Lyrikband „Tageslauf“.

 

MEIN LEBEN

Laufen fällt mir schwer.
Ich komme voran.
Ich fahre im Rollstuhl.
Erleichtert meine Fortbewegung.
Meine Hände können nicht so greifen.
Ich habe Helfer an meiner Seite.
Ich bin behindert.
Aber ich fühle mich nicht so.

 
SEILTÄNZER

Ich balanciere zwischen
Hell und dunkel
Hoffnung und Verzweiflung

 
Morgenstimmung in Babelsberg

Es ist sieben Uhr fünfundvierzig.
Im Rollstuhl fahre ich zum Bus.
Die Sonne scheint, Vögel zwitschern.
Das tut gut.

Im Einkaufszentrum ist es still.
Ich fahre auf die Straße. 
Kaum ein Mensch ist zu sehen.
Es ist ruhig. und wenig Verkehr.
 
Der Blumenladen am Rathaus öffnet.
Die Straßenbahn kommt.
Ein Zeichen für mich.
In fünf Minuten kommt mein Bus.

HAIKU

*
Ich sehe aufs Meer
Gleichmäßiger Wellenschlag
Glättet mein Gemüt


An trüben Tagen
Zünde ich eine Kerze an
In mir wird es hell


Ockergelb gefärbt
Pappeln säumen die Allee
Brennen wie Kerzen

*
Mild ist  der Morgen
Stadt in Nebel gekleidet
Novemberstimmung

HERBSTSTIMMUNG

Früh sieben Uhr:
Es ist noch dunkel.
Das Aufstehen fällt mir schwer.
Ich trinke Kaffee, ich komme in Schwung.
Mein Arbeitstag beginnt.

 
Mittags, dreizehn Uhr:
Ich habe Feierabend.
Die Sonne scheint hell.
Baumkronen sind goldgelb gefärbt.
Das ist Balsam für meine Seele.

Abend, achtzehn Uhr:
Ich sehe aus dem Fenster.
Die Sonne geht als roter Ball unter.
Der Himmel ist ein rosa, violettes Aquarell.
Ein Geschenk zum Tagesausklang.

KINDERAUGEN

Im Park Babelsberg  begegne ich Kindern.
Etwa drei Jahre alt.
Sie sehen und laufen hinter mir her.
Ich fahre mit dem Therapiefahrrad.
Das hat drei Räder.
Große Schuhe sind an den Pedalen befestigt.
Sie sind aus buntem Kunststoff.
Ich kann in sie hineinschlüpfen.
Die Kinder staunen.

 

 

DER KOMPONIST SERGEJ KOLMANOVSKIJ

    STELLT SEIN DEM GEDENKEN AN REICHSKRISTALLNACHT GEWIDMETES ORATORIUM „TRAUERGESÄNGE“ VOR. DIE TEXTE SIND VOM ÖSTERREICHISCHEN DICHTER PETER PAUL WIPLINGER.

    www.besucherzaehler-homepage.de