Inessa Rozenfeld Archiv

Inessa Rozenfeld wurde in Odessa geboren. Künstlerin und Dichterin. Seit 2003 lebt und arbeitet in Potsdam. Malerin, Architektin und Kunstlehrerin von Beruf. Lieblingsgenre - Porträts. Mitglied von Odessauer Literaturstudio „Vereinigung der Jugendclubs“, seit 2003 - Mitglied der "Literarisch-künstlerischen Werkstatt „Potsdam ". Lyrikveröffentlichungen und Nachdichtungen in zahlreichen russischen und russisch-deutschen Anthologien. Seit 2006 – Mitglied von "Kunstgenossen e.V." Persönliche Kunstausstellungen in Potsdam und Berlin. Teilnehmerin der internationalen Festivals «Kunstallee-2009" und «Kunstallee-2011" und Vernissage „Art Brandenburg“.

 

Das Hebräische

Trotz Nichterwähnung
Sind Vokale in hebräische Sprache
Anwesend, was die Uneingeweihte
Völlig sinnlos finden könnte.

Sie sind als ob vom Sand eingesaugt worden,
Sie ließen nur Sandkörnchen als Punkte.
Mit den Tränen versüßt man keine Bitternis,
Quelle der Zeiten ist eingetrocknet.

Die Steine der Konsonanten stehen,
In allen Neuausgaben des Genesis
Die unwandelbare Auffindungen
Bewahrend, ohne unnötige Korrektur.

Wer weiß jetzt, wessen Name
Darf man nicht aussprechen?
Wo gibt es „Schehinah“, woraus besteht
Belebende Kraft der leeren Zeile?

Papierrolle von Thora ruht sich in ihrem Gewand,
Aber wortloses Gebet Nigghun
Drückt mit seiner Melodie alles,
Was steckt in heiligen Schriften.

Der deutsche Herbst            
(Freie Nachdichtung Renate Smolarek)

ringt der azurblaue Himmel über Berlin
wahrhaftig um Klarheit und Licht oder
vertuscht das allzu grelle Weiß die Angst
vor nahender Kälte

bläst der Sturm in die gefallenen Blätter
treibt sie auseinander mit brüllendem Orkan
die Glocken läuten zum Danke Gottes ein –
zustimmen die allzu leicht Gläubigen im
Gleichklang zu gehorchen wie Orgelpfeifen

lass ich mich treiben hin zur Vollendung
Süße gereift auch die letzte Frucht
geschützt vorm gefrierenden Salz der Sterne
und ihren eisigen Nadeln

bleibt mir als Insel der Mond zum Abschied –
nehmen blass geworden wie ich und müde
flüstern wir leise einander die Zeit der Schlaflieder zu

Hundertwasser 
(Freie Nachdichtung Renate Smolarek)

Hundertwasser fließen
münden in der Zeit.
Der Meister färbt die Wände,
Zeit entfärbt die Zeit

der Glückssternsuchenden
Pfauenfedergeschmückten
Übersatten von Ziffern, Zeichen,
Wolkenkratzern gliedern gold –
verzierte Zebrastreifen
die Gefangenen

hoch an Mauern entlang verblasst
der Regenbogen das Haar der Bart
wächst grau herab in Schlingen.

Unter Pulverstaub, den Wänden
erstickt die Glut der Farben – 
trägt dein Herz mich nicht auf
Händen, greif ich nicht nach dem Licht.

 

An der Ostsee
(Freie Nachdichtung Renate Smolarek)

gehoben von der Kraft des Windes
schmiegt sich der Körper der Jungfrau
in die Sichel des aufgehenden Mondes

wogt auf und ab der Busen wie
die Wellen schwappen am Rumpf
des gleitenden Schiffes

wie Tropfen schimmern im Mondlicht
flüstern Stimmen, die künden vom
Zauber der Ferne, wo das Meer 
den Horizont berührt

Erhöre mich – Du ewiger Wanderer der Nacht.
    

Die Bäume

Vollkommen nackt – so stehen die Bäume
Enthauptet ihrer goldfarbenen Pracht

Schon die hereinbrechende Nacht
hre schwarzen Schleier darüber wirft-
Wie bei alten Weibern, die tags nicht 
Nur der Sonne wegen in die Schatten
Fliehen müssen, denn keiner mag das
Abgeblühte schauen.

Und immer früher treibt die Jungen die Angst,
peitschen die kahlen Zweige in ihr bleiches Gesicht.

Die Schale voller Schweigen

Die Schale

trug ich schweigend

Gedanken fädelte ich

Auf Straßen, hob sie auf

Wie Glasperlen und wand

Sie um alle Gärten.

Die Schale setzte ich ab
 
Und vergrub mich in

Die Stille der Höfe.

Eine Stadt
Odessa gewidmet

Nimm meine Hand
Und schließe die Augen.
Ich zeige dir meine Stadt
Und ich schäme mich.

Ich bitte dich - lass mich los-
Den blind geworden ist das Schauen
Vom grellen Schein.
Staub bedeckt meinen Atem –
Verstopft die Kehlen der Vögel.

Der Morgen ist schön
Und der Regen.
Die Altstadt dampft
Und durch die Ritzen der Pflastersteine
Spriest das Grün.

Riechst du das Meer?
Wir steigen hinab
Durch die engen Gassen.

Jetzt – öffne die Augen und schau
wo die Rücken der aufsteigenden Mole   
die gierigen Zungen der Wellen lecken,
Muscheln ausspucken – die,
wie bei euch die Würste
auf dem Grill landen.

Ablegen muss ich diese Stadt,
wie einen abgetragenen Mantel,
verlassen die einst geliebte,
die mit getrübtem Blick und
herabhängenden Armen mir nachschaut.

Werde ich mich mit dem goldenen
Schein der Kuppeln fremder Kathedralen
Schmücken.

(Nachdichtung von Renate Smolarek)   

                                               Verzeichnis der Werke: 

                                      Der Musiker in der Pause, Öl/Leinwand
                                      Auf dem Berg im Karpaty, Pastell,28x208, Odessa, 1988
                                      Yuri Gribov, Öl/Leinwand
                                      Porträt der Tochter, Öl/Leinwand
                                      Herbstschönheit, 2013, Öl/Leinwand, 40x60, Potsdam


    

 

   

 

DER KOMPONIST SERGEJ KOLMANOVSKIJ

    STELLT SEIN DEM GEDENKEN AN REICHSKRISTALLNACHT GEWIDMETES ORATORIUM „TRAUERGESÄNGE“ VOR. DIE TEXTE SIND VOM ÖSTERREICHISCHEN DICHTER PETER PAUL WIPLINGER.

    www.besucherzaehler-homepage.de